Warum greift ein Raucher immer wieder zur Zigarette, obwohl er sich dem gesundheitlichen Risiko bewusst ist? Warum fällt es so schwer auf das Stück Kuchen zu verzichten, obwohl man die Diät doch eigentlich endlich ernst nehmen wollte? Oder allgemein gesagt: Warum tun wir Dinge, von denen wir ganz genau wissen, dass sie uns schaden?
Hinter diesen alltäglichen Beobachtungen steckt ein faszinierender psychologischer Mechanismus – die kognitive Dissonanz. Zwar erklärt dieser nicht, warum genau wir ein bestimmtes Verhalten zeigen, aber wie der Mensch mit solchen irrationalen Handlungen umgeht und leben lernt. Und genau das schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.
Der Mensch, genauer gesagt unser Gehirn, liebt klare Struktur und Ordnung. So kann es effizient arbeiten, sich in der Welt besser zurechtfinden und ein kohärentes Selbstbild aufrechterhalten. Gleichzeitig reagiert unser Gehirn deshalb empfindlich gegenüber Widersprüchen. Sei es weil sich zwei Überzeugungen widersprechen, oder der Mensch hingegen seiner inneren Haltung handelt. Zum Beispiel eben wie es bei einem Raucher, der eigentlich weiß, wie schädlich Zigaretten sind, der Fall ist. Oder bei einer Person, deren Neujahrsvorsatz es ist mehr Sport zu machen, aber jeden Tag aufs Neue von der Couch nicht hoch kommt. Das Resultat ist ein unangenehmer Spannungszustand, welchen man gesellschaftstauglich auch als das schlechte Gewissen bezeichnen kann. Unser Gehirn merkt, dass in dem Moment etwas nicht zusammenpasst und teilt uns das in Form von Gewissensbissen mit. Eigentlich ist dieses ,,Alarmsystem“ unseres Gehirns ja etwas Gutes. Irrationales Verhalten geht immerhin nicht spurlos an uns vorbei, sondern eine weitere Instanz lässt uns spüren, dass da gerade etwas nicht gestimmt hat.
,,Menschen empfinden es als unangenehm, gleichzeitig widersprüchliche Gedanken oder Überzeugungen zu haben – also verändern sie eine davon“ (Leon Festinger)
An dieser Stelle fragt man sich zurecht, wie Menschen diesen unangenehmen inneren Zustand wieder überwinden. Wie Leon Festinger, der Begründer der kognitiven Dissonanztheorie, bereits in seinem Zitat andeutet, muss der Mensch einen Teil des Problems verändern. Wäre der Mensch ein rein rational denkendes Wesen, würde er entsprechend seiner moralischen Überzeugung, das inkonsistente Verhalten in Zukunft sein lassen. In Wahrheit muss man aber anerkennen, dass der Mensch alles andere als einfach gestrickt ist und in einem dauerhaften Konflikt zwischen Emotionen, Erwartungen, Wünschen und noch vielem mehr steht. Folgende Möglichkeiten nutzen wir also, um unsere kognitive Dissonanz schnellstmöglich wieder zu beseitigen:
- tatsächlich das Verhalten ändern (,,Ich bin mir der Risiken als Raucher bewusst, mir ist meine Gesundheit sehr wichtig, deswegen höre ich ab sofort auf zu rauchen!“)
- Kognitionen anpassen (,,Eigentlich bin ich doch zufrieden mit meiner Figur, ich habe eine Diät garnicht nötig und erlaube mir ab und zu Süßes zu essen!“)
- Neue konsonante Kognitionen hinzufügen (,,Ja ich fliege zwar oft in den Urlaub, aber ich spende auch regelmäßig an Umweltvereine, so trage ich also trotzdem meinen Teil bei!“)

Fazit
Ich finde es zugegebenermaßen schon lustig, wie sich der Mensch oft selbst austrickst. Letztendlich passieren diese Mechanismen ja meist ohne dass wir uns dessen bewusst sind und dienen lediglich dazu unser Gewissen für den Moment zu beruhigen. Jetzt wo du aber einen ersten tiefgründigeren Eindruck in die Welt der Selbstmanipulation bekommen hast, achte doch mal im Alltag darauf. In welchen Momenten du glaubst Gewissensbisse zu spüren? Wann tappst du vielleicht selber in die Falle, negative Verhaltensweisen intern rechtfertigen zu wollen?
Verhalten, das den eigentlichen inneren Vorstellungen widerspricht, ist völlig normal und vor allem menschlich. Etwas anderes will ich garnicht behaupten, zumal ich mich hierbei selber nicht rausnehmen kann;) Aber wer merkt, immer wieder in die gleichen negativen Muster zu verfallen oder sich regelmäßig in Situationen wiederzufinden, die eigentlich garnicht den eigentlichen Wertevorstellungen entsprechen, für den lohnt es sich das nächste Mal kurz innezuhalten und reflektiert nachzudenken, anstatt die Kontrolle an seine inneren Automatismen abzugeben.


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